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EKLAT!

von Guy Krneta

 

Das Stadttheater Bern sorgt für überregionale Aufmerksamkeit. Allerdings nicht durch Kunst, sondern durch einen Eklat bei der Pressekonferenz zum neuen Spielplan. Schauspielchef Erich Sidler nutzte die Gegenwart der Medien zur Inszenierung seines persönlichen Abgangs auf Ende der Spielzeit. Andernorts wäre dies ein Grund für fristlose Entlassung. Nicht so in Bern, wo der Verwaltungsrat jede Verantwortung am Schlamassel von sich weist und dem Direktor Marc Adam stattdessen zwei Co-Direktoren zur Seite stellt. Dass die Chefs das sinkende Schiff verlassen, ist nicht weiter erstaunlich. Bemerkenswert ist es allerdings, wenn sich die Schönredner von eben auf einmal als Winkelriede in Szene setzen. Das Stadttheater Bern hat eine mehrjährige Strukturdebatte hinter sich, in welche die halbe Kulturszene involviert wurde. Wer einmal mit an so einem Runden Tisch sass (ich tat es zwei Jahre lang) weiss, dass das Schauspiel mit seiner gegenwärtigen Struktur und dem (weitgehend selbst) gegebenen Auftrag masslos unterfinanziert ist. Die Sparte hat weniger Geld als das Neumarkt Theater in Zürich und stemmt doppelt so viele Premieren – mit zwiespältigem künstlerischem Erfolg. Die Kluft zwischen Anspruch und Realität ist kaum mit den hunderttausend Franken zu stopfen, die Adam Sidler offenbar entziehen will.

Ziel der Strukturdebatten war es gewesen, in Bern Bedingungen zu schaffen, die heutigen Theaterproduktionsformen entsprechen, die dazu beitragen, den steten Publikumsschwund zu stoppen und mittelfristig mit den vorhandenen Geldern auskommen. Der Runde Tisch schlug Flexibilisierung, Spartentrennung und prozessorientierte Abläufe vor, während die Stadttheaterverantwortlichen die Projektarbeit durch den Hinweis auf ihre angeblich erfolgreiche Arbeit boykottierten.

Von den neuen Strukturen, die das Theater in zwei Jahren haben soll, besteht heute nur der politische Entscheid, das Symphonieorchester gegen dessen ausdrücklichen Willen mit dem Theater zu fusionieren. Die Streichung des Balletts, die der Basler Kulturmanager Cyrill Haering vorgeschlagen hatte, ist dank des breiten Widerstands der Bevölkerung vom Tisch. Die Zukunft des Schauspiels, das anzutasten sich bisher niemand getraute, um keine weitere Baustelle zu schaffen, ist ungewisser denn je. Mit seinem Eklat hat sich Sidler einen scheinbar aufrechten Abgang verschafft und seine Bewerbung für den nächsten Job breit gestreut. Ob wir ihn demnächst in Basel antreffen werden?

 

Freitag, 7. Mai 2010

Geschrieben für die Basler Programmzeitung

 

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theaterkritik.ch ist die Plattform einer Gruppe von Schweizer Theaterschaffenden, die sich für neue, prozessorientierte Stadttheater-Strukturen einsetzt.

 

Im Zusammenhang mit den Round-table-Gesprächen am Stadttheater Bern hat die Gruppe ein Modell für ein neues Schauspiel Bern entworfen. Das Modell ist auch als Kritik an überkommenen Strukturen der deutschsprachigen Stadttheater zu verstehen.

 

Der Gruppe gehören der Dramaturg Martin Bieri (Schauplatz International, Bern), die Regisseurin Beatrix Bühler (auawirleben, Bern), die Regisseurin Ursina Greuel (Matterhorn Produktionen, Basel), der Autor Guy Krneta (Matterhorn Produktionen, Basel) und die Regisseurin Meret Matter (Club 111, Bern) an.

 

Die beteiligten Theaterschaffenden haben langjährige Erfahrungen an Stadt- und Staatstheatern sowie in der Freien Szene. Sie arbeiten und arbeiteten u.a. an folgenden institutionalisierten Theatern:

 

Martin Bieri: Kammerspiele München, HAU Berlin, Schauspiel Essen, Luzerner Theater

Beatrix Bühler: Stadttheater Bern, Schauspielhaus Zürich, Stadttheater Hildesheim, Mainfrankentheater Würzburg, Theater Biel-Solothurn, Staatstheater Braunschweig

Ursina Greuel: Thalia Theater Hamburg, Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Zürich

Guy Krneta: Stadttheater Bern, Theater Basel, Theater Biel-Solothurn, Württembergische Landesbühne Esslingen, Staatstheater Braunschweig

Meret Matter: Schauspielhaus Zürich, Luzerner Theater, Staatstheater Hannover, Theater Freiburg i. Br.

 

Der Verband Vereinigte Theaterschaffende der Schweiz VTS unterstützte die Ausarbeitung des Modells für ein neues Schauspiel Bern.

 

 

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--)  Unter "Aktuell" finden Sie die Eröffnungsrede zum letztjährigen Impulse-Festival sowie unsere Kritik am Bericht PROJEKT THEATER BERN.

 

--)  Unter "Archiv" finden Sie die Texte, welche Pedro Lenz und Guy Krneta als fiktive Theaterkritiker fürs letztjährige Zürcher Theaterspektakel schrieben ("Bühler vs. Kaufmann") - sowie den "Nachschlag", den sie fürs diesjährige Spektakel am 14.8.2009 schrieben und in der Reihe "Friandises" vortrugen.